Gemeinsam neue Wege gehen

RückblickEijentlich janz schön hier, wa?“ – Ein Abend zu sozial-ökologischem Engagement und Kooperation vor Ort
Donnerstag, 2. Mai 2019, 18-21 Uhr,
Paul-Wunderlich-Haus

Nicht von, sondern für die Politiker*innen – nach diesem Motto hatte die Lokale Agenda 21 zusammen mit dem öko-sozialen Netzwerk der Initiativen Eberswalde am vergangenen Donnerstag, 2. Mai, ins Paul-Wunderlich-Haus geladen. Unter dem Titel „Eijentlich janz schön hier, wa?“ wurden die Themen Kommunaler Klimaschutz und Nachhaltigkeit in den Fokus gerückt. Angeregt werden sollte ein Austausch auf Augenhöhe zwischen den zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und Initiativen, die sich bereits vor Ort für diese Themenbereiche engagieren, und den Stadt- und Kreiskandidat*innen für die anstehenden Kommunalwahlen, die zu dieser Veranstaltung eingeladen waren. Insgesamt waren 25 Akteur*innen ins Stadtzentrum gekommen, um sich den 20 anwesenden politischen Kandidat*innen vorzustellen und die Möglichkeit für ein persönliches Kennenlernen zu bieten.

Anlass der Veranstaltung war eine gemeinsame Feststellung des öko-sozialen Netzwerks gewesen: Das derzeitige zivilgesellschaftliche Engagement vor Ort hätte bereits großes Potenzial, den kommunalen Klimaschutz entscheidend zu stärken und mitzugestalten. Dafür bräuchte es jedoch stärkere Vernetzung und Verzahnung mit bereits bestehenden Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategien – etwa der Stadt Eberswalde mit ihrem integrierten Klimaschutzkonzept oder dem Landkreis mit seinen Kreiswerken Barnim –, welche bislang an vielen Stellen noch ausbaufähig ist. In den kommenden fünf Jahren werden vermutlich entscheidende Weichen dafür gestellt, wie gut Eberswalde und der Barnim auf die bevorstehenden Herausforderungen der Klimakrise reagieren können. Die grundlegende Einbindung der Zivilgesellschaft ist hierfür unabdinglich. Wie diese Einbindung gelingen könnte – auch und vor allem durch die Unterstützung der kommunalen Politik -, das sollte die Leitfrage der Veranstaltung am vergangenen Donnerstag sein.

Den Auftakt machte die Lokale Agenda 21, die sich seit den 1990er Jahren für die kommunalpolitische Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele in Eberswalde und Umgebung engagiert und diesem neuen Veranstaltungsformat ausdrücklich seine Unterstützung aussprach. Bürgermeister Friedhelm Boginski und Landrat Daniel Kurth zeigten durch ihr Kommen und wertschätzende Grußworte ihre Anerkennung und Aufgeschlossenheit gegenüber dem großen Engagement und Willen der lokalen Zivilgesellschaft, die aktuellen Stadtentwicklungsprozesse mitzugestalten. Dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht nur viel mit Kommunikation zu tun haben, sondern auch mit Humor gesehen werden können, zeigten Thomas Jäkel und Susanne van Dyk vom Improvisationstheater aus Berlin. Ganz nach dem Motto „Heiter scheitern“ sensibilisierten und motivierten sie die anwesenden Gäste und Akteur*innen für einen partizipativen Prozess, der nicht immer frei von Konflikten und Rückschlägen ist, jedoch viele neue Chancen und gemeinsame Wege ermöglicht.

Prof. Dr. Jürgen Peters, der die Veranstaltung auch moderierte, führte als ehemaliges Mitglied des Sanierungsbeirates in die Themenbereiche Bauen/Wohnen, Grüne Infrastruktur und alternative Mobilität aus Perspektive des kommunalen Klimaschutzes ein. Im Anschluss stellte Jacob Renner, Klimaschutzmanager der Stadt Eberswalde, das integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt vor und zeigte damit, welche Maßnahmen und Ziele bereits in diesem Bereich verfolgt werden.
Darauf folgte der eigentliche Hauptteil der Veranstaltung: die Vorstellung der Initiativen und Akteur*innen, die sich vor Ort bereits auf vielfältige Weise für eine klimafreundliche und nachhaltige Entwicklung von Stadt und Region einsetzen. Neben Initiativen des öko-sozialen Netzwerks, wie etwa der neu gegründeten Bürgerenergiegenossenschaft, der AG Rad, der Gruppe „Recht auf Stadt“ oder der Transition-Initiative wandelBar, stellten sich auch Akteur*innen wie die Schüler*innen von „Fridays for future“ und die Kreiswerke Barnim mit ihrem neuen „BARshare“-System für lokales Auto- und Lastenradsharing vor. Angesichts der großen thematischen und organisatorischen Vielfalt waren sowohl die anwesenden Gäste als auch die Teilnehmenden sichtlich beeindruckt. Die Erkenntnis, dass bereits sehr viel Gutes vor Ort passiert, bildete die Grundlage für die anschließenden Thementische, an welchen die Initiativen und politischen Kandidat*innen – trotz der Länge der Veranstaltung – sehr eifrig und konstruktiv diskutierten. Am Tisch „Bauen/Wohnen“ wurde zu Themen wie Leerstand, Innenstadtverdichtung, soziale Durchmischung, ökologische Sanierung und Verkauf städtischer Flächen diskutiert und der Bedarf nach Transparenz und Partizipation der Zivilgesellschaft deutlich spürbar.

Der Tisch zu innenstädtischen Grünflächen offenbarte ein großes Interesse für die Bebauung der Grünfläche in der Friedrich-Ebert-Straße, Gemeinschaftsgärten, Streuobstflächen und offene Gärten, aber auch innovative Ansätze wie vertikale Gärten und Fassadenbegrünung.
Am Tisch zu alternativer Mobiltät ging es vordergründig um machbare Alternativen zum Auto in der Stadt, den Ausbau des O-Busses sowie Verbesserungen der Radweg-Infrastruktur und Ermäßigungen im ÖPNV.

Das Gefühl am Ende, zu dem das Gehörte und Geschehene noch einmal von den Tischmoderator*innen und Organisator*innen zusammengefasst wurde, unterstrich Gert Adler von der Lokalen Agenda 21 mit inspirierenden Abschlussworten. Er ermutigte die politischen Kandidat*innen, weiterhin aufgeschlossen den Dialog zu den Initiativen zu suchen, und appellierte wiederum an die Initiativen, trotz vorhandener bürokratischer Barrieren weiterhin mutig an dem von ihnen eingeschlagenen Weg festzuhalten. Es brauche keine gleichgeschaltete Stadt und Region – gerade die Perspektivunterschiede zwischen Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik seien es, die sachlich fundierte Diskussionen und tragfähige Entscheidungen in Sachen kommunaler Klimaschutz maßgeblich bereichern können.

Die von insgesamt mehr als 80 Teilnehmenden besuchte Veranstaltung war angesichts des neuen und unkonventionellen Veranstaltungsformats ein voller Erfolg – und der entstandene Aufwand soll nicht im Sande verlaufen. Für die Zeit nach den Kommunalwahlen können sich die Lokale Agenda 21 und die Organisator*innen vorstellen, die gewählten politischen Vertreter*innen zu einem Stadtspaziergang einzuladen. Dabei könnte gemeinsam überlegt werden, wie das Engagement der Initiativen und Akteur*innen zukünftig konkret unterstützt und ausgebaut werden könnte. Allein kann niemand die bevorstehenden Herausforderungen bewältigen – es braucht neue Wege, die nur gemeinsam beschritten werden können. Dass Eberswalde und der Barnim dabei nicht bei null anfangen müssen, hat die Veranstaltung deutlich gezeigt.

Autor*innen: Paul Venuß, Selena Dami, Anja Neumann

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