Mit neuer Energie in der Nachbarschaft – 1. EnergieForum in Eberswalde

1. EnergieForum in Eberswalde

Die Frage, wie „von unten“ – also aus der Gesellschaft heraus – die Energiewende gelingen kann, schwelt auch in Eberswalde und ist eine der zentralen Fragen von wandelBar. Obwohl jede*r einzelne schon jetzt etwas tun kann, um die Energie- und damit auch die Klimapolitik vor Ort zu gestalten (z.B. Energie sparen- nicht benötigtes Licht ausschalten, das Auto mal stehen lassen oder mit anderen teilen, oder gar selbst zum eigenen Energieversorger zu werden, indem die Energie aus dem Photovoltaik- Modul ins heimische Netz eingespeist wird), bedarf es doch auch institutioneller und von den politisch Verantwortlichen getragener Bemühungen, um die Energiewende zu gestalten.

Ist das neu geschaffene EnergieForum, das am 16.01.2018 zum ersten Mal stattfand, ein geeignetes Mittel, um als Bürger in den Dialog mit der Verwaltung und Politik zu kommen? wandelBar war vor Ort, um das herauszufinden.

Doch zuerst ein kurzer Rückblick

Nachdem im August 2010 die Eberswalder Stadtwerke aufgelöst worden waren, folgten auch die Eberswalder Stadtverordneten dem allgemeinen Trend zur Rekommunalisierung und versuchten im Februar 2011 mit der Einrichtung eines Ausschusses für Energiewirtschaft, die Privatisierung der Energieversorgung wieder rückgängig zu machen. Doch blieben die Bemühungen erfolglos, und so wurde auf der Stadtverordnetenversammlung vom  November 2016 die Auflösung des Ausschusses für Energiewirtschaft beschlossen – jedoch nicht ganz ersatzlos…

…als politisch umstrittenes Gremium wurde durch die Stadtverordnetenversammlung im Juni 2017 schließlich das „Eberswalder EnergieForum“ als Diskussionsforum und Impulsgeber für energiewirtschaftliche und -politische Themen aus der Taufe gehoben.

 1. EnergieForum Eberswalde

Thema des Vortrags von Christian Mehnert waren die Kreiswerke Barnim, die er als Geschäftsführer vertritt. Die 100%ige Tochtergesellschaft des Landkreises Barnim ist angetreten, die Energiewende mit eigenen Projekten aber auch ausdrücklich durch Beteiligung der Bürger*innen Eberswaldes voranzubringen. Dazu wollen die Kreiswerke Energie- und Kreislaufwirtschaft miteinander verbinden; konkret sollen in nächster Zeit neben anderen folgende spannende Projekte etabliert werden:

  • Das Stromnetz soll wieder „in eigene Hände“ kommen, da es von den Kreiswerken als „Ertragsbringer“ und als Schlüssel für die Energieversorgung der Zukunft angesehen wird. Hier sind die Kreiswerke offensichtlich zu der Erkenntnis gelangt, dass die Rekommunalisierung eine Gestaltungs- und Einflussnahme- Möglichkeit für die Gemeinden bietet.
  • Die Biotonne, die zunächst in Wandlitz (Stadt Bernau) in einem Pilotprojekt getestet worden war, soll bald auch nach Eberswalde kommen. In einer Bioverwertungsanlage soll aus den Bioabfällen „Barnimer Garten Kompost“ gewonnen werden.
  • Unter dem Namen BARshare will der Landkreis Barnim zusammen mit der Stadt Eberswalde, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und anderen Partnern ein Carsharing aufbauen. Dabei sollen die nach Feierabend oder an den Wochenenden nicht genutzten Fahrzeuge von Land, Stadt und Hochschule Dritten verfügbar gemacht werden, um die Fahrzeuge besser auszulasten.
    Derzeit sollen weitere Projektpartner identifiziert werden (Ansprechpartner für das Projekt ist Herr Frank Haney), es werden auch noch Betreiber und Fördermittel gesucht .
  • Passend zu den Elektroautos von Stadt und Land soll eine flächendeckende Ladeinfrastruktur im Landkreis Barnim aufgebaut werden. Auf Nachfrage soll die Ladeinfrastruktur nicht nur für Elektroautos sondern auch für Elektrofahrräder geeignet sein und für diese – soweit von der Stadt Eberswalde betrieben – dauerhaft kostenfrei sein.
  • In Kreiswerke- eigenen Solar- und Windenergieprojekten soll die Beteiligung von Bürgern in Genossenschaften möglich sein.
  • Aber auch Mieter – oder Direktstrom -Projekte, bei denen der vor Ort produzierte elektrische Energie von den Bewohnern wieder verbraucht wird, sollen gefördert werden. Ein Ziel ist dabei die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen auf kommunalen Dächern und bei Unternehmen mit Bürgerbeteiligung und Partizipation.

In der nach dem Vortrag stattfindenden Diskussion konnten weiterführende Fragen durch die Anwesenden gestellt werden. So stellte sich heraus, dass beispielsweise für den Aufbau des Carsharings noch ein Beschluss des Kreistages herbeigeführt werden muss. Oder dass der Betrieb von Ladeinfrastruktur dazu führt, dass der Betreiber dann den Regelungen der anderen Anbieter unterworfen ist- was den Aufbau einer weiteren, gegebenenfalls personellen Infrastruktur nach sich führt. Spannend war die Aussage, dass gerade eine Bürgerenergiegenossenschaft ins Leben gerufen werde, die unabhängig von der Barnimer Energiegesellschaft (BEG) betrieben werden soll und bei der die Bürger sich am Aufbau und Betrieb von Anlagen zur umweltfreundlichen Energieversorgung beteiligen können sollen.

Die Bürger*innen und Interessenvertreter*innen Eberswaldes sind ausdrücklich dazu aufgerufen, eigene Projektideen für energiewirtschaftliche Projekte  bei der BEG einzureichen– wie das genau funktioniert, wird anschaulich auf der neunten Seite des Vortrags und auf der Webseite der BEG erläutert. Hat das Projekt die Hürden zur Umsetzung genommen, wird eine Projektgesellschaft gegründet, die verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten – auch für Bürger*innen bieten soll. Ideen werden von der BEG, Herrn Thomas Simon entgegengenommen.

Fazit

Ein spannendes Format, bei dem – anders als in früheren Ausschuss- Sitzungen – auch für interessierte Bürger die Möglichkeit besteht, nachzufragen und sich einzubringen. Nicht zuletzt mit eigenen Themen(wünschen), die möglicherweise dann auf einer der nächsten, zweimal im Jahr stattfindenden EnergieForen behandelt werden (das nächste EnergieForum ist für November 2018 geplant). Ansprechpartner für Anregungen zum nächsten Thema ist Herr Andy Haß.

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